Gute Arbeitsplatzgestaltung vermeidet Verschwendung

Das heutige Thema betrifft (fast) alle Bereiche Ihres Unternehmens:

Überall gibt es Arbeitsplätze – in der Produktion, im Versand, in der Logistik und auch im Betriebsmittelbau: Überall wo Menschen ganz oder auch nur zeitweise arbeiten. Natürlich macht es einen Unterschied, ob der Arbeitsplatz ein Einzelarbeitsplatz ist, an dem immer derselbe Mitarbeiter arbeitet, ob es sich um eine Montageinsel handelt, oder um eine ganze Fließfertigung mit vielen Mitarbeitern, die möglicherweise sogar im Schichtbetrieb arbeiten.

Arbeitsplatzgestaltung betrachtet alles: den Mitarbeiter, die am Arbeitsplatz zu verrichtenden vorbereitenden Vorgänge (wie z.B. Rüsten), die Zwischenlagerung der zu bearbeitenden Teile direkt am Arbeitsplatz (sofern das überhaupt notwendig ist), den Weitertransport der Teile sowie den tatsächlichen Verarbeitungsprozess, also den Prozess der eigentlichen Wertschöpfung in einer Produktion.

Um zu einem optimalen Zustand bei der Arbeitsplatzgestaltung zu gelangen, müssen bestimmte Prinzipien bei der Entwicklung eines Konzeptes beachtet werden:

  1. 1.     Die Trennung von Logistik und Produktion 

Wo gearbeitet wird, wird nicht angeliefert! Teile dürfen nicht im Weg stehen und so den Produktionsprozess verlangsamen. Gleichzeitig sollten sie mit einem Griff erreichbar sein: „Best-Point Materialbereitstellung“

  1. 2.     Die Trennung von Mensch und Maschine

Solange die Maschine den Wertschöpfungsprozess ausführt, sollte der Mitarbeiter andere wertschöpfende Tätigkeiten durchführen können und nicht wartend oder betreuend neben der Maschine stehen bleiben.

  1. 3.     Die Tätigkeiten sollen „im Fluss“ ablaufen

Manuelle Arbeitsabläufe sind am effizientesten, wenn der Mitarbeiter jeden Arbeitsschritt ruhig und zügig hintereinander abarbeiten kann, ohne Seit- oder Rückwärtsbewegungen durchführen zu müssen. Das optimale Laufdreieck von ca. 1,5 m Seitenlänge und eine ergonomisch gute Arbeitshöhe verhindern einseitige Belastungen der Rückenmuskulatur. Trotzdem ist es sinnvoll nach einiger Zeit mit anderen Mitarbeitern den Arbeitsplatz zu tauschen. Der Mensch ist eben keine Maschine und soll auch keine werden!

  1. 4.     Flexible-Mitarbeiter-Kapazität („Gangschaltung“)

Arbeitsplätze müssen so gestaltet werden, dass bei Arbeitsspitzen oder Varianten mit erhöhtem Arbeitsinhalt zusätzliche Mitarbeiter relative einfach zur Unterstützung eingesetzt werden können. Diese Kapazitätserhöhung muss immer innerhalb einer definierten Grenze ablaufen, keinesfalls ungeplant, sonst besteht die Gefahr, dass der Materialfluss abreißt.

  1. 5.     One-Piece-Flow 

Jedes Teil steht im Arbeitsprozess zunächst einmal für sich: es wird entweder bearbeitet oder einzeln zum nächsten Bearbeitungsschritt transportiert. Kein Teil wartet auf die Weiterbearbeitung oder auf den Transport mit mehreren gleichen Teilen, also in Fertigungs-Losen.  Das verhindert große Zwischenpuffer und lange Durchlaufzeiten und erhöht die Flexibilität gegenüber dem nächsten Kunden.

Zur Arbeitsplatzanalyse bieten sich verschiedene Instrumente an: für die Erfassung der zurückgelegten Wege am Arbeitsplatz das Spaghetti-Diagramm; zur Analyse von Bewegungen und Arbeitsabläufen die Bewegungs- und Ergonomie-Analyse; zur Analyse eines kompletten Fertigungszyklus das Standard-Arbeits-Kombinations-Blatt und das Taktzeit-Diagramm. Mit Hilfe der Analyseergebnisse kann das Konzept für den neuen Arbeitsplatz entworfen werden.

Es hat sich bewährt, zunächst vom Entwurf des neuen Arbeitsplatzkonzeptes gemeinsam mit den Mitarbeitern eine „Testarbeitsumgebung“ zu bauen. Die neuen Arbeitsplätze werden schnell und einfach z.B. mit Pappkarton und Klebeband erstellt (Cardboard-Engineering). Auch bestehende Einrichtungen - ergänzt um ein paar mobile Gestelle (z.B. Gitterboxen) - können gut für Arbeitsplatzsimulationen verwendet werden. Erst wenn die neuen Abläufe, Materialzuführung, die Maschinen und die Laufwege erprobt und für gut befunden wurden, geht der Auftrag zur Umgestaltung des Arbeitsplatzes an den Betriebsmittelbau.

Zur Arbeitsplatzgestaltung gehört auch das Planen der Arbeitsposition des Mitarbeiters: soll der Mitarbeiter eher sitzend oder eher stehend arbeiten? Kann der Mitarbeiter beide Hände einsetzen? Oder sogar eine Maschine mittels eines Fußschalters bedienen. Wie schwer sind die Materialien? Ist ein gerader Blickwinkel notwendig? Wie gut muss die Beleuchtung sein? Grundsätzlich werden Präzisionsarbeiten eher sitzend, Arbeiten mit flexiblem Bewegungsfeld oder stark kraftintensive Tätigkeiten eher stehend ausgeführt. Jedoch kann in Absprache mit den einzelnen Mitarbeitern auch hier größerer Flexibilität über verstellbare Stühle und Tische erlangt werden. Wichtig auch hier: die Ergonomie muss immer berücksichtigt werden.

Arbeitsplatzgestaltung wird im Rahmen der demographischen Entwicklung in Zukunft immer wichtiger: Mitarbeiter werden immer älter und sollen ohne körperlichen „Verschleiß“ hochproduktiv arbeiten können. Hier haben Geschäftsleitung und Mitarbeiter ein gemeinsames Interesse. Der Industriestandort Deutschland kann es sich gar nicht leisten, unproduktive oder stark belastende Arbeitsplätze zuzulassen. Beides ist im klassischen Sinne „Verschwendung“ von wichtigen Ressourcen.

Die Arbeitsplatzgestaltung bei Büroarbeitsplätzen unterscheidet sich etwas von den o.a. Prinzipien und wird deshalb in einem gesonderten Blogeintrag behandelt werden.

Sollten Sie noch Fragen haben, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung

Ihr Rupert Urban