Shop- Floor Management

 

Rupert Urban:

'Vor einiger Zeit hatte ich einen Termin bei einem produktionsverantwortlichen Meister. Als ich sein Büro betrat, fand ich ihn an seinem Schreibtisch sitzend, vor ihm zwei Bildschirme, viele kleine Fress- und Klebezettel sowie eine große Liste mit vielen einzelnen Posten. Als ich ihn fragte, was er da mache, antwortete er mir, dass er gerade dabei sei, die Produktion der nächsten zwei Tage zu planen. Dazu müsse er die Werkzeuge, ablaufende und anlaufende Maschinen sowie verfügbare Mitarbeiter einplanen. Alle dafür nötigen Informationen seien nun in dem Wust an Zetteln irgendwo aufgeschrieben, den er nun hin und her schob, um einen irgendwie guten, logischen Ablauf zusammenzubekommen. Er erzählte auch, dass die Firma ein Produktionsplanungssystem besitze, das eigentlich für die Planung genutzt werden sollte. Seiner Meinung nach aber nutze ihm dieses vor Ort bei seiner Arbeit nicht wirklich viel: zwar seien die Daten alle im Programm aber dieses könne nur eine grobe Reihenfolge ausgeben, keine detailliertere, tagesgenaue Planung. Diese sei allerdings für ihn unabdingbar. Auf meine Frage, wie lange er denn jeden Tag damit zubringen würde, antwortete er: "Zwei Stunden. Zwei Stunden jeden Tag! Mindestens. Meistens aber mehr, manchmal bis zu vier Stunden!" ' 

In diesem Produktionsbereich haben wir gemeinsam "Shop-Floor Management" eingeführt, ein Instrument zur Visualisierung von Plandaten sowie zum tagesgenauen Soll-Ist Vergleich.

Zunächst hat das Shop-Floor Management eine kurzfristige Planung zum Ziel, Fachleute sprechen von einer "Feinplanung im Machbaren". Es geht nicht darum, große Zeiträume vorauszusehen, sondern den aktuellen sowie den folgenden Tag für alle Beteiligten einsehbar zu planen. Dabei braucht Shop-Floor Management nicht zwingend Computer oder Bildschirme in der Produktion, sondern arbeitet mit einfachen Shop Floor Tafeln. Auf diesen Tafeln werden alle für die Produktion relevanten Informationen nach einer schnell durchschaubaren Logik angeordnet: Produktionsstückzahl, Mitarbeitereinsatz, Liefertermine, Rüstfolgen- und werkzeuge, etc. Bei der täglichen, immer zu einer festen Zeit abgehaltenen Planungsbesprechung vor dem Shop-Floor Brett, kann so jeder Mitarbeiter und Beteiligte direkt einsehen, was an diesem und am folgenden Tag geplant wird und den Meister bei der Planung mit allen relevanten Informationen unterstützen. Diese tägliche Shop-Floor Besprechung ist das Herzstück der Arbeitsprozessplanung und hat für alle (!) oberste Priorität. Darüber hinaus hängt das Brett für alle sichtbar im Arbeitsbereich und wer Informationen braucht, kann jederzeit zum Shop-Floor Brett gehen: "go-and-see" statt "meet-and-mail" ein wichtiger Grundsatz für effizientes Informieren der am Produktionsprozess Beteiligten.

Durch diese Methode konnte der Meister nicht nur Planungszeit einsparen, da er täglich nur noch maximal eine halbe Stunde dazu benötigt, sondern er konnte auch direkt auf Abweichungen reagieren, da diese auf der Übersicht schnell und klar ersichtlich sind. Mit diesem Instrument gelang es ihm, seine Ressourcen immer optimaler zu planen und einzusetzen und die Arbeitsergebnisse kurzzyklisch zu überwachen und dadurch deutlich zu verbessern. Durch den täglichen Einbezug seiner Mitarbeiter und die Transparenz der Prozesse schafft die Einführung von Shop- Floor Management nicht nur bei den Mitarbeitern selbst ein hohes Maß an Eigenverantwortlichkeit für ihre Arbeit und den gesamten Prozess, sondern auch ein Team-Gefühl, da sich alle gleichermaßen wichtig und verantwortlich für das Gelingen des Arbeitsprozesses fühlen.